Impro 2014: Die Eröffnung mit Tipps der Redaktion

Impro 2014BERLIN – Am 21.3. fand die Festivaleröffnung der Impro 2014 in der Komödie am Kurfürstendamm statt. Durch den Abend führte Christoph Jungmann (Gorillas, Berlin), der sichtlich erfreut bereits den Großteil des Casts samt mitgebrachter Formate vorstellte. Deshalb wollen wir auf Formate verweisen, die unser Interesse weckten oder auf die wir uns speziell freuen.

macro:
In the Air (Do 27.3. – 20:00, English Theatre)
Ich hatte vor 2 Jahren die „In the Air“-Show gesehen und diesen Artikel darüber geschrieben. Die Show war ein Desaster – also fast. Es ging technisch ziemlich alles schief, und Moderation und die Saalcrew mussten das irgendwie auffangen. Und plötzlich ergab sich eine Szene, in der von einem Außenteam ermordete seine Mörder stumm sitzend auf Video live sah. Nach 2 Jahren weiß ich es noch so, als wäre es letzte Woche gewesen – unglaublich eindringlich, kraftvoll, berührend. Das sagt alles, was da möglich ist. Eine Show mit viel Risiko und großer Fallhöhe – so sollte Impro im Idealfall sein. Das sie es noch einmal probieren, lässt mein Herz vor Freude springen.

La Triviata (Fr 28.3. & Sa 29.3. – 20:00, Mehringhoftheater)
In La Triviata improvisieren ausgebildete Opernsänger. Am Freitag spielen die Münchner allein in deutsch eine ganze Oper, am Samstag kommen weitere Spieler des Festivals hinzu, gespielt wird dann in English. Bei der Eröffnung wurde eine Szene noch ohne die eigentlichen Opernsänger angespielt – über das Thema „Smog“. Trotz des schwierigen Sounds mit zu lauten Musikern gegen die unverstärkten Sänger war es spürbar, was Oper alles emotional bewegen kann. Sängerin Jill Farris (unexpected productions, Seattle, USA) wurde sterbend vom mächtigen Chorus emporgehoben und entschwebte. Es war die letzte Szene des Abends und ein würdiger Höhepunkt – und deshalb ist diese Show für mich ein Muss.

Claudia Hoppe:
Movie Styles: Fassbinnder und Romantic Comedy (Di. 25.3. & Mi. 26.3. – 20:30, Ratibor Theater)
Ich freue mich dieses Jahr ganz besonders über das gewählte Thema „Movie Styles“, und hier nochmal ganz besonders über zwei der ausgewählten Genres: Romantische Komödie und Tarantino. Einen kleinen Vorgeschmack auf die Romantische Komödie gab es in der ersten Hälfte der Eröffnungsshow: Als Vorgaben wurde „eine Welt“ (hier: Punk) abgefragt und dann eine kurze Szene in der Punk-Welt angespielt. Aus dem vier-köpfigen Cast dieser Szene wurde die erste der beiden Figuren gewählt, die hinterher das Liebespaar bilden sollten. Die Wahl fiel auf Patti Stiles (Impro Melbourne, Melbourne, Australien). A la „Pretty Woman“ sahen wir nun die „Gegenwelt“ zur Punk-Welt, nämlich die Welt der Banker. Anschließend wird der zweite Protagonist gewählt: Lee White (Crumbs, Winnipeg, Kanada). In einer dritten Szene schließlich sehen wir die erste Begegnung der beiden so gegensätzlichen Charaktere, die später ein Liebespaar werden sollen.

Das schreit für mich schon nach klassischem Storytelling: Er verändert sich etwas, sie verändert sich etwas, beide finden zueinander, anschließend noch ein hübsches kleines Missverständnis oder anderweitiges störendes Intermezzo, das die beiden frisch Verliebten scheinbar auseinander bringt, nur damit danach einer von ihnen (oder sogar beide) die Einsicht haben, dass eben doch nur diese eine Person für die Glückseligkeit auf Erden sorgen kann. Hach, was freue ich mich auf die Show am kommenden Dienstag!

Movie Styles: Quentin Tarantino und Fantasy (Fr. 28.3., & Sa. 29.3. – 20:00, English Theatre Berlin)
Amber Nash, Kevin Gillese (beide Dad’s Garage, Atlanta, USA) und Björn Harras (Gorillas, Berlin) stellen in der zweiten Hälfte kurz das andere Genre vor, auf dessen Show ich mich besonders freue: Tarantino. Dabei ist es für mich wichtig, dass dort nicht nur auf „Pulp Ficton“ Bezug genommen wird, da der Tarantino-Fundus auch ganz andere Perlen wie „Jackie Brown“, „Inglorious Basterds“ oder den aktuellsten Film „Django Unchained“ bereit hält. Dennoch verbindet man eben mit Tarantino meistens Pulp Fiction und Kill Bill, wie eben auch in dem kleinen Snippet während der Eröffnungsgala zu sehen war, in dem ein Showdown in einer Kirche gezeigt wurde.

Angekündigt wurde die Szene als „die letzten fünf Minuten eines Tarantino-Films“. Wir sehen eine Kirche, in der zwei Charaktere (Matt + Amber) sich verschanzen, während die bösen Gangster (Leon Düvel + Jeron Dewulf) im Auto immer näher kommen und sich schließlich gewaltsam Zugang zur Kirche verschaffen, um dort die obligatorische Schießerei statt finden zu lassen. Gut gefallen hat mir hier das Schlussbild, in dem Tess Degenstein mit Sonnenbrille cool und groovy im Cadillac von der Kirche, in der ein Massaker statt fand, in den Sonnenuntergang fährt. Auch wenn die gesamte Szene mit der Vorgabe „Kirche“ unweigerlich an die prägnante Hochzeits-Schießerei aus Kill Bill erinnert hat. Für die Show am kommenden Mittwoch bin ich sehr gespannt, an welche von Tarantinos Werken dann Reminiszenzen geknüpft werden!

Thomas Jäkel:
Impro Lightbox (Mo. 24.03. – 20:00, English Theatre Berlin)
Die Stärke eines internationalen Festivals liegt darin, dass unterschiedliche Kulturen und Sprachen aufeinander treffen. So waren die Szenen, in denen die internationalen Gäste so taten, als würden sie Deutsch sprechen, sehr lustig und wurden vom Eröffnungspublikum geliebt. Auf der anderen Seite stehen Szenen und Shows, in denen ausschließlich in der Heimatsprache gespielt wird.

Aus Frankreich eingeladen sind Franck Buzz und Sebastien Chambres von „Impro Infini“ die ein Häppchen aus ihrem Format „Impro Lightbox“ zeigten, dass am kommenden Montag ausschließlich in Französisch gespielt wird. Es gelang spontan nicht, das Licht und die Musik als Inspirationsquelle zu nutzen – obwohl es die Grundidee ist. Doch es entspann sich eine poetische und bewegende Szene um Mutter Natur, die am Ende zum fast kompletten Auftritt des 28-köpfigen Ensembles als Tierwelt führte. Dieses Abend hat das Zeug dazu, eine echte Perle des Festivals zu werden.

Three Shows – Four Countries (28.03. – 20:30, Ratibor Theater)
Und wenn wir schon bei ungewöhnlichen Formaten sind, dann ist ein Abend mit gleich 3 Shows sicher hinzuzurechnen. Von jedem Anteil dieses Abends konnten wir zur Eröffnung eine Kostprobe genießen. Amber Nash und Kevin Gilles (Dad’s Garage, Atlanta) zeigten mit „Kill the Dog“ ihr starkes Format, mit dem sie bereits 2010 in Berlin begeistern konnten. Sie werden sich aber noch einen Mitspieler auf die Bühne nehmen und zu dritt improvisieren, denn das Duo des Abends werden Wolfgang Lüchtrath (Köln) und Eugen Gerein (St. Petersburg/Heidelberg) sein. Sie improvisieren mit „Borschtsch und Bratwurst“ um und über die derzeit brisanten deutsch-russischen Beziehungen. Auf der Bühne der Komödie sagen sie ein Duett, dass ihre emotionale Stärke zeigte, aber leider musikalisch in den widrigen Bedingungen vieles an seiner Kraft verlor. Nichts von ihrer Kraft hingegen verlor Inbal Lori (Three Falling, Tel Aviv, Israel), die sich mit einem Solo auf die Bühne wagt. Diese 3-2-1-Kombo ist eine Empfehlung für erfahrene Improzuschauer, denn hier wird große Bandbreite geboten.

Die Eröffnung der Impro 2014 war ein umfassender Einblick in die kommenden Tage. Leider standen sich die vielen Spieler aufgrund der Akustik, des Sprachgewirrs und der professionellen Höflichkeit etwas im Weg, was dazu führte, dass man manchen Gast nie im Rampenlicht sah. Vielleicht ist etwas mehr Struktur, wie in vergangenen Jahren, besser. Aber was wäre die Improvisation, wenn alles glatt liefe… Darum weiter so und Toi Toi Toi! Das Festival ist eröffnet!

www.improfestival.de

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Mirko 'macro' Fichtner schreibt seit 2011 für Impro-News. Er ist Gründungsmitglied der Improbanden und Mitorganisator des Berliner Impro Marathon. Webseite: macrone.de
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